In Europa wandern
Über das Wandern in Europa. So vielfältig wie der ganze Kontinent.

Die Deutschen haben eine Wandermeise. Eine ziemlich große. Was auch nicht wirklich verwundert, denn bei der unglaublichen Bandbreite an atemberaubenden Landschaften in Deutschland, läßt sich für wirklich jeden Geschmack etwas finden. Wattwanderungen, Heidewanderungen, durch Seegebiete, entlang von Flüssen, durch Weinberge oder vorbei an Industriedenkmälern, Schlössern und Burgen, durch die Wälder und Felder der Mittelgebirge bis hin zu anspruchsvollen Bergtouren in den Alpen.

Es ist wirklich kein Wunder, daß Deutschland zu den Top-Wanderzielen in Europa gehört. Für Anfänger und Profis gibt es eine breite Palette von Wanderungen von einfachen Spaziergängen bis hin zu herausfordernden Klettertouren.

In diesem Beitrag werden wir dir einige der besten Wanderungen in Deutschland vorstellen und liefern dir so viele Informationen über das Wanderland Deutschland, wie sinnvoll möglich.

In Deutschland kannst du das ganze Jahr über wandern. Die beste Zeit ist natürlich im Frühjahr und Herbst. Von März bis Mai sind die Temperaturen meist mild und du kannst von der Nordsee bis zum Fuß der Alpen durch blühende Landschaften wandern. Auch der Herbst lockt von September bis Anfang November meist mit milden Temperaturen und teils spektakulären Herbstfärbungen der Bäume in die Wälder oder die Heide.

Im Sommer suchst du dir dann vielleicht doch eher die Schatten der Wälder oder wanderst in Schluchten oder größeren Höhen, die kühler sind. Jetzt beginnt auch die Saison auf den Gebirgskämmen der Mittelgebirge und in den Alpen. Oder du wanderst entlang von Seen oder der Küste, um dich immer mal erfrischen zu können.

Im Winter ist eher Wanderruhe. Aber in immer mehr Wintersportgebieten werden inzwischen auch extra Winterwanderwege geräumt, so dass du mit entsprechender Ausrüstung immer noch Tagesausflüge machen kannst. Oder du schnappst dir in verschneiten Mittelgebirgen gleich die Schneeschuhe oder Langlaufski und wanderst eben damit. Die Möglichkeit, einen tollen Wandertag draußen zu erleben, gibt es in Deutschland (fast) immer.

Die Wanderwege in Deutschland

Wie viele Wanderwege gibt es in Deutschland?

Insgesamt wird die Zahl der markierten Wanderweg-Kilometer in Deutschland auf 200-300 000 Kilometer geschätzt. Jedes Jahr kommen neue Wege dazu oder werden aufgegeben, so daß die genaue Zahl eher fließend ist. Dutzende Vereine mit einem Heer an Freiwilligen halten die Wege in Schuss und sorgen dafür, daß wirklich jeder seinen Lieblingsweg finden kann.

 

Wandern in Deutschland: Übersicht Wanderwege in Deutschland ausgewertet aus den Daten der OSM Datenbank

Auswertung der in der OSM-Datenbank eingetragenen Wanderwege in Deutschland.

Wie finde ich die schönsten Wanderwege in Deutschland?

Um die Auswahl zu erleichtern, vergibt das Deutsche Wanderinstitut das Qualitätssiegel Premium-Wanderweg und der Deutsche Wanderverband vergibt das Siegel “Qualitätswege wanderbares Deutschland”. Wenn du einen dieser Wege unter die Sohlen nimmst, kannst du dich auf eine schöne Wanderstrecke mit wenig Asphalt und möglichst tollen Aussichten freuen.

Wenn du nur in einer Gegend bist oder Urlaub machst, dann helfen dir vor allem Apps wie Komoot oder Alltrails, um vor Ort die besten Wanderungen zu finden. Dort findest du Vorschläge von anderen Nutzern zusammen mit Beschreibungen und Details zu Länge und Anspruch der Strecke. Alternativ kannst du deine nächstliegende Touristen-Information besuchen, wo du fast immer eine Auskunft zu den Wanderungen der Umgebung, einschließlich teils spezialisierten Wanderkarten oder sogar Wanderführern findest.

 

Was sind die beliebtesten Wanderwege in Deutschland?

Wenn du lieber erst mal ein paar Klassiker machen möchtest, dann hast du eine reichliche Auswahl. 

  1. Rheinsteig: Als einer der bekanntesten Wanderwege in Deutschland erkundet der Rheinsteig das malerische Mittelrheintal. Auf 320 km führt der Weg an zahlreichen Schlössern, Burgen und Weinbergen vorbei von Wiesbaden bis nach Bonn. Dank zahlreicher Ortschaften und der beinahe begleitenden Bahnstrecke kann sich jeder die Etappen nach eigenem Geschmack zusammenstellen. Oder angesichts der regelmäßigen steilen Anstiege auch mal ein paar Kilometer überspringen. Der Weg kann von Frühjahr bis Herbst erwandert werden und jede Jahreszeit hat ihren eigenen besonderen Reiz.

 2. Malerweg: Der Malerweg ist 116 km lang und bietet auf 8 Etappen jede Menge atemberaubende Aussichten auf die Sandsteinformationen und viel Ruhe in den tiefen Wäldern der Sächsischen Schweiz. Und dazwischen erkundest du die meisten Highlights, welche die Gegend zu bieten hat. Dieser historisch bedeutende Weg zieht Kunstliebhaber und Wanderer gleichermaßen an und kann von April bis Oktober begangen werden​.

 3. Heidschnuckenweg: Durch die Lüneburger Heide führt dieser 223 Kilometer lange Wanderweg, der als einer der schönsten Wanderwege Norddeutschlands gilt. Besonders reizvoll ist der Heidschnuckenweg während der Heideblüte im Spätsommer, wenn die Landschaft in ein lilafarbenes Meer verwandelt wird. Der Weg ist in 13 Etappen eingeteilt​.

 4. Schluchtensteig: Dieser Weg führt über 119 Kilometer durch die südliche Schwarzwaldregion. Er durchquert beeindruckende Schluchten und idyllische Wälder und bietet spektakuläre Aussichten. Geeignet ist der in 6 Etappen aufgeteilte Schluchtensteig besonders in den Sommermonaten. 

5. Saar-Hunsrück-Steig: Der 415 Kilometer lange Weg führt durch die natürliche Vielfalt von Saarland und Rheinland-Pfalz. Er ist bekannt für seine Ruhe und die naturnahe Wegeführung, aufgeteilt in 27 Etappen. Die beste Wanderzeit ist von Frühling bis Herbst​.

 6. Eifelsteig: Der Eifelsteig erstreckt sich über 313 Kilometer von Aachen bis nach Trier. Der Weg führt durch abwechslungsreiche Landschaften inklusive Vulkankrater und biete eine reiche kulturelle Erfahrung. Empfohlen wird der Weg in 15 Etappen zu begehen, idealerweise von April bis Oktober​.

 7. Goldsteig: Mit 660 Kilometern Länge der längste Wanderweg Deutschlands, führt der Goldsteig durch den Oberpfälzer und den Bayerischen Wald. Der Weg bietet tiefgreifende Naturerlebnisse und ist in etwa 38 Etappen unterteilt. Wenn dir das nicht reicht, dann kannst du nach Tschechien rüber wandern und den parallel führenden Zlatá stezka (Goldener Steig) im Böhmerwald erkunden, es gibt 13 Grenzübergänge zwischen den Wegen. Zusammen mit allen Schleifen und Alternativen bieten die Goldsteige ein beinahe 2000 km umfassendes Wegenetz. Die beste Zeit zum Wandern ist von Mai bis Oktober​.

 8. Rennsteig: Der Rennsteig verläuft 170 Kilometer lang durch den Thüringer Wald und bietet historische sowie kulturelle Einblicke. Der Weg kann in etwa 6-8 Etappen zurückgelegt werden und ist besonders schön im Frühling oder Herbst​​.

 9. Harzer-Hexen-Stieg: Über 94 Kilometer führt dieser Weg durch den Harz und kombiniert Naturerlebnisse mit kulturellen Stationen wie der Brockenbahn. Wer sämtliche Varianten läuft, erkundet den Harz sogar auf knapp 150 km. Es gibt einschließlich der Winterumleitung. Der Weg ist in fünf anspruchsvolle Etappen unterteilt mit drei Ergänzungen. Während die Wandersaison für diesen Weg von April bis Oktober geht, ist er besonders im Frühjahr und im Herbst zu empfehlen.

Ein paar weitere Ideen findest du auch bei den Top-Trails-of-Germany, einem Verein, der es sich auch auf die Fahnen geschrieben hat, die schönsten Wanderwege Deutschlands ausfindig zu machen.

Zwischen all den großartigen Fernwanderwegen gibt es jede Menge kürzere Juwelen zu entdecken. Dass es beim Wandern nicht immer bierernst zugehen muss, beweist beispielsweise der Fränkische Brauereienweg: Auf diesem 14 km langen Rundweg kannst du in den Gaststätten von gleich vier Bierbrauereien halten und das Angebot kosten. Je nach deinem Geschmack könntest du also tatsächlich mehrere Tage benötigen, um genüßlich diesen Wanderweg abzuschließen. Dieser einfache Weg ist daher ideal für Liebhaber von gutem Bier und fränkischer Küche.

Wo kannst du auf den Wanderungen schlafen?

Es gibt viele Unterkunftsmöglichkeiten, je nachdem, wo du wandern möchtest. Wenn du in den Bergen wanderst, kannst du in Hütten übernachten, die von den Alpenvereinen betrieben werden. In den Mittelgebirgen gibt es oft auch Jugendherbergen und Hotels im Grünen in der Nähe von Wanderweg-Knotenpunkten. 

Es gibt auch reichlich Pensionen und Bed&Breakfasts in den kleineren Orten entlang der größeren Wanderwege und Hotels meist in etwas größeren Orten und natürlich den Städten.

Natürlich kannst du auch mit dem Zelt losziehen. Dann musst du entsprechende Campingplätze an deiner Route oder private Übernachtungsangebote ansteuern. 

Es gibt inzwischen auch vereinzelt Campingstellen in entlegeneren Gebieten, welche allerdings üblicherweise reserviert werden müssen. Auf naturcamping.net sammelt Olli mit Enthusiasmus alle legalen Biwakplätze und Trekking-Campingplätze in Deutschland und du kannst schauen, ob auch entlang deiner Route welche zu finden sind. Nur Vorsicht: in der Hochsaison sind sie meist auf Monate im Voraus ausgebucht. 

Wildcampen ist verboten und wird besonders in den Naturparks auch streng überwacht.

Welche Ausrüstung wird gebraucht?

Um in Deutschland zu wandern, brauchst du meist keine besondere Ausrüstung. Wenn du dich auf normalen Wanderwegen aufhältst und gesunde Gelenke hast, kommst du meist mit Sportschuhen aus, sofern die Sohle über ausreichend Grip verfügt. Trailrunning-Schuhe und flache Wanderschuhe sind hier die idealen Kandidaten. Für längere Strecken und anspruchsvollere Wege sind Trekkingstöcke eine interessante Ergänzung.

Ein Regenschutz für Mensch und Rucksack ist Pflicht. Auch im Hochsommer gehen regional immer wieder Gewitter nieder und Frühjahr und Herbst sind traditionell etwas regenreicher. Auch wenn Deutschland in den letzten Jahren da ein wenig ausgedörrt wurde, eine Regenjacke, die bei frischem Wind als Windbrecher aushilft, solltest du trotzdem immer im Rucksack haben. Bei einem einzelnen Tagesausflug mit 10% Regenwahrscheinlichkeit tut es allerdings auch ein Festivalponcho.

Wenn du im Winter unterwegs bist, solltest du mindestens ein Paar Grödel im Rucksack haben, um selbst auf harmlosen Wegen stellenweise vereiste Abschnitte oder Stufen heil zu überwinden.

Wie läßt sich Ausrüstung ersetzen/ergänzen?

Geht dir auf einer längeren Wanderung ein Teil der Ausrüstung kaputt, bist du in Deutschland gut aufgehoben. In fast jeder größeren Stadt gibt es mindestens einen Outdoor-Laden, wo du deine Ausrüstung ergänzen oder mit viel Glück sogar reparieren lassen kannst (letzteres dauert allerdings meist länger).

Der große Platzhirsch ist Globetrotter mit seinen Filialen, aber auch Intersport ist verbreitet und Decathlon breitet sich aus. Und noch immer gibt es viele kleinere Händler, die sich an einzelnen Orten halten.

Zusätzlich gibt es reichlich Versandhändler, nicht zuletzt die Online-Shops der großen Outdoorläden, aber auch reine Online-Spezialisten. Und mit Hilfe von DHL und seiner Konkurrenz kannst du dir Ersatz oft innerhalb von 2-3 Tagen schicken lassen.

Am besten fragst du vor Ort, welcher Paketdienst jeweils am besten funktioniert, denn da haben die Menschen im ganzen Land oft von Ort zu Ort unterschiedliche Erfahrungen. Viele große Online-Läden ermöglichen eine begrenzte Auswahl des Paketdienstes.

Wenn du es ganz eilig hast, greifst du zum Telefon und läßt dir den Ersatz per Express-Zustellung von DHL oder UPS liefern. Oder suchst doch noch den Laden in der nächsten größeren Stadt heraus und rufst da an, ehe du hinfährst, ob das Gesuchte auf Lager ist.

Der Proviant: Wie versorgst du dich auf der Wanderung mit Essen?

Um die Essensvorräte im Rucksack aufzustocken, peilst du am besten bei der Durchwanderung der nächsten Stadt den örtlichen Supermarkt an. Nur wenige Hotels oder Pensionen bieten Lunchpakete. Die meisten Supermärkte öffnen zwischen 7 und 8 Uhr und schließen zwischen 20 und 22 Uhr. Sonntags und Feiertags ist leider noch immer Ruhetag und alles geschlossen. Kleinere Geschäfte haben meist deutlich kürzere Öffnungszeiten und oft auch eine Mittagspause.

Wenn du dringend noch etwas zu Essen brauchst, aber alles geschlossen ist, kannst du größere Tankstellen aufsuchen. Meist gibt es zumindest irgendetwas zu Essen zu kaufen, auch wenn es oft eher Snacks sind.

Bäckereien können auch am Sonntagvormittag öffnen, so dass du dich mit frischem Brot und Brötchen eindecken kannst. Sowohl in Bäckereien als auch in Fleischereien findest du manchmal auch preiswertes Mittagessen, teils zum Mitnehmen, teils zum vor Ort essen, wenn du gerade kein Restaurant oder Café als Anlaufstelle findest.

Restaurants und Cafés haben natürlich meist am Wochenende geöffnet, dafür aber oft in der Woche 1-2 Ruhetage. Am häufigsten ist am Montag geschlossen, Mittwoch und Donnerstag kommen allerdings auch vor.

Inzwischen hilft Google bei der Suche nach geöffneten Supermärkten, Restaurants oder Cafés. Oder auch der nächsten Tankstelle als Notanlaufpunkt.

Trinken – Hinweise für die Wasserversorgung unterwegs

Dein Trinkwasser füllst du am besten morgens für den Tag auf, es sei denn, du planst eine Mittagspause in einem Café oder Restaurant. Das Leitungswasser ist in ganz Deutschland trinkbar, so daß du nicht unbedingt auf Ware aus dem Supermarkt zurückgreifen musst.

Dafür solltest du eher die Finger von Wasser aus Flüssen, Bächen und Seen lassen. Selbst mit Wasserfilter bekommst du das Wasser kaum auf echte Trinkwasserqualität. Jahrhunderte des wilden Bergbaus sorgen selbst teilweise in Nationalparks dafür, daß zum Teil noch Schwermetalle oder andere Giftstoffe ins Wasser ausgewaschen werden und die bekommt kein tragbarer Wasserfilter da wieder raus. Und über die Trinkwasserqualität sämtlicher Gewässer in intensiv landwirtschaftlich genutzten Gegenden fange ich lieber gar nicht erst an…

Also brauchst du Zugang zum Trinkwassernetz, um deine Wasserflaschen aufzufüllen. Früh in den Hütten, Hotels und Pensionen ist natürlich am einfachsten. Aber auch wenn du eine Pause in einem Café oder Restaurant machst (natürlich mit entsprechendem Konsum von Essen/Trinken), bekommst du auf freundliche Nachfrage meist die Wasserflaschen gefüllt.

Wenn du durch eine Stadt wanderst, kannst du die Augen nach den immer häufigeren Trinkwasserstellen offen halten. Aufgrund der heißen Sommer werden immer mehr aufgestellt und viele sind in den gängigen Kartenprogrammen eingezeichnet. Sie sind meist von Mai/Juni bis Oktober aktiv.

Vorsicht allerdings bei Springbrunnen. Die werden zwar meist im Frühjahr mit Leitungswasser befüllt, aber anschließend wird nur noch aufgestockt und der Rest im Kreis gepumpt. Mit entsprechend ungenießbarer Qualität. Wenn es wirklich keine andere Quelle gibt, kannst du da aufstocken. Aber nur nach gründlichem Filtern. Und du solltest schauen, ob in dem sauberen Brunnen grüne Algen leben (keine blauen!), anderes kleines Grünzeug in Wassernähe wie Moos tut es auch, damit du zumindest sicher sein kannst, daß keine allzu heftigen Chemikalien verwendet werden. Springbrunnen sind wirklich nur ein extremer Notbehelf und du solltest dich vorher gründlich umsehen. Sie sind meist der Ort, wo in direkter Nähe ein Trinkwasserbrunnen aufgestellt wird.

In der freien Landschaft und kleinen Dörfern findest du noch hier und da Viehtränken mit fließendem Wasserzufluss. Wenn da keine Plakette für Trinkwasser angebracht ist, würde ich sie mit ähnlicher Vorsicht, wie öffentliche Springbrunnen behandeln. Das Wasser dürfte immerhin sauber genug sein, um das Vieh nicht zu vergiften, sodass du es mit einem guten Filter problemlos auf Menschenniveau bekommen solltest.

Kurze Informationen für Deutschland-Anreisende

Sprache: Deutsch

Verständigung: Deutsch. Meistens zumindest.  Zwar können örtliche Dialekte eine ernstzunehmende Herausforderung sein, aber zumindest im Tourismus-Sektor sprechen fast alle einigermaßen Hochdeutsch, wenn sie im Haus- und Hofdialekt nicht verstanden werden.

Währung: Euro

Zahlungsmittel: EC-Karte, Kreditkarte oder auch Bargeld

Zeitzone: gleiche Zeitzone wie der Rest von Mitteleuropa

Deutschland gehört zu den großen Durchgangsländern in Europa und damit ist die internationale Anbindung bestens. Wer mit dem Flugzeug anreist, kann zuerst die großen Drehkreuze Frankfurt/main, München oder Berlin anpeilen oder gleich auf einem der kleineren Regionalflughäfen im ganzen Land landen.

Mit dem Zug kommst du mit den meisten internationalen Zuglinien nach Deutschland. Nachtzüge queren das Land jede Nacht und halten in vielen verschiedenen Großstädten und auch tagsüber gibt es jede Menge Verbindungen. Man muss nur Geduld mitbringen. Die Überlastung der Dauerbaustelle Deutsche Bahn bekommt früher oder später fast jeder Reisende mal zu spüren und sollte entsprechend Reserven im Gepäck haben.

Strecken, die mit den Zügen umständlich oder gar nicht zu erreichen sind, werden oft hervorragend mit den gängigen Fernbuslinien abgedeckt.

In Deutschland gibt es einen passablen ÖPNV. Die Regionalbahnen bringen dich selbst in ziemlich entlegene Winkel des Landes und Buslinien erledigen den Rest. Gerade die Start- und Endpunkte von größeren Fernwanderwegen liegen oft in Orten mit Bahnanschluss.

Leider wurde auf dem Land der ÖPNV oft so weit ausgedünnt, daß der Bus nur noch 2-3 Mal am Tag fährt. Es lohnt sich allerdings, dich  in deiner anvisierten Wandergegend nach Rufbussen zu erkundigen. Sie werden immer mehr eingeführt und stehen oft auch Touristen gegen Entgelt offen. Sie ermöglichen dir einen deutlich flexibleren Transport zu oder von deiner Wanderstrecke, aber du darfst sie natürlich nicht mit Taxis verwechseln.

Strom kommt in Deutschland aus der Steckdose. Oder so ähnlich. Tatsächlich gibt es in Deutschland für Wanderer wenig Grund, sich Solarpaneele oder andere regenerative Möglichkeiten der Stromversorgung mitzunehmen. 

Meist musst du auf jeden Fall innerhalb von wenigen Tagen auf einem gut ausgestatteten Campingplatz, auf Hütten oder in Hotels/Pensionen übernachten. Da ergibt es mehr Sinn, ein bis zwei Powerbanks und evtl. noch einen Multi-USB-Lader dabei zu haben (damit du die seltenen Steckdosen mit anderen teilen kannst), als deinen Strom bei dem geringen Sonnenwinkel selbst herzustellen. Oder gar die 1,5 kg einer kleinen Wasserturbine mitzuschleppen.

Sicherheit & Notfälle

Deutschland ist ein sehr sicheres Wanderland. Abgesehen von dem üblichen gemeinen Taschendieb und mehr oder minder zufällige Verwechslungen von Schuhen und unbeaufsichtigtem Material, auf das du weltweit aufpassen musst, gibt es praktisch kaum Gefahren von Mensch und Tier in den Wandergebieten.

Zwar gibt es inzwischen Wölfe und Luchse, aber die halten sich von den Menschen im Allgemeinen fern.

Wenn du in der Dämmerung unterwegs bist, solltest du Wildschweinen mit Jungtieren tunlichst aus dem Weg gehen. Und wenn du auf Warnschilder von Herdenschutzhunden triffst, solltest du sie ernst nehmen. Manchmal kannst du vorbei. Doch wenn die Tiere gerade schlechte Laune haben, suchst du dir lieber einen anderen Weg.

Bei den Pflanzen solltest du eher aufpassen. Zwar gibt es wenige Pflanzen, die mit Kontaktgift arbeiten, aber dennoch solltest du als Regel ausschließlich Pflanzen anfassen oder sammeln, die du sicher bestimmen kannst, gut kennst und von denen du geprüft hast, ob sie gesammelt werden dürfen. Dann brauchst du dir später auch nicht über Vergiftungen von Herstzeitlosen, Fingerhut oder Eisenhut Gedanken machen. Alle drei sind wirklich hübsch, aber gehören zu den giftigsten Pflanzen in Europa. Und sie haben noch so einige meist weniger giftige, aber trotzdem in der richtigen Dosis tödliche Geschwister.

Hast du aller Vorbereitung und Sorgfalt zum Trotz einen Unfall, so gibt es die 112 für den Notfall. Die Netzabdeckung der Telefongesellschaften wird immer besser, hat allerdings immer noch so einige Lücken, gerade in zerklüftetem Gebiet und Nationalparks. Da ist es besonders wichtig, dass du andere über die Route informiert hast und wann du zurückkehrst, falls du allein unterwegs bist.

In den Bergen informierst du die Bergrettung. Behalte nur im Kopf, daß diese Personen kein privates Taxiunternehmen für erschöpfte und verpeilte Wanderer sind, sondern Freiwillige, die es sich ihren Urlaub und Freizeit kosten lassen, um Personen in Not zu retten. Und wenn das Wetter es nicht zuläßt, weil Unwetter, Nebel oder Sturm es unmöglich machen, auszurücken, kann es auch sein, daß sie später nur noch Leichen bergen können. Gute Vorbereitung und Selbstschutz sind besonders in den Bergen, am Meer und anderen entlegeneren Gebieten unersetzlich. Beim Nachmittagsspaziergang im Kurpark kommst du eher mal mit dem Schrecken davon.

Wo findest du weitere Informationen zum Wandern?

Wenn du weitere Informationen zu Wanderwegen, Übernachtungsmöglichkeiten oder Tipps für das Wandern in Deutschland suchst, gibt es einige nützliche Ressourcen. Der deutsche Wanderverband ist der Dachverband aller Wanderverbände und -vereine in Deutschland (und ja, es gibt viele davon und viele kleine, lokale Gruppen sind nicht mal da vertreten) und bietet viele Informationen und Ratschläge zum Wandern.

Auf der vom Dachverband betriebenen Webseite Wanderbares Deutschland kannst du dich wunderbar über mehr als 700 kurze, lange und gaaanz lange Wege informieren und findest auch weitere Tipps und Tricks zum Wandern. Bei den meisten Wegen findest du dann auch das zuständige Tourismus-Büro oder den Verband, der für den jeweiligen Weg zuständig ist und weitere Informationen liefern kann. Wenn du dich speziell für die Jakobswege interessierst, kannst du auch direkt zu dem Verein der Jakobswege in Deutschland wechseln.

Wenn du mehr an persönlichen Erfahrungen interessiert bist, kannst du nach Wander-Bloggern suchen, von denen es einige gibt (z.B. Fräulein Draußen), allerdings nicht ganz so verbreitet, wie in der englischsprachigen Welt.

Es gibt auch viele Reisebüros und Websites, die Wanderreisen in Deutschland anbieten und möglicherweise auch maßgeschneiderte Routen empfehlen können. Du kannst auch lokale Touristeninformationen und Wanderführer anfragen, um weitere Informationen zu den Wanderungen zu erhalten, die du unternehmen möchtest.

Deutschland ist wirklich ein Wanderparadies. Egal ob du Anfänger oder erfahrener Wanderer bist, es gibt eine Wanderung, die deinen Ansprüchen entspricht – von einfachen Spaziergängen bis hin zu herausfordernden Klettertouren. 

Aber viele Wege enden nicht an den Grenzen. Vielleicht möchtest du ja auch mal weiter wandern? Wie wäre es mit Österreich? Da gibt es wenigstens die gleiche Sprache. Aber auch alle anderen Länder rings um Deutschland herum sind mal mehr, mal weniger wanderbegeistert. Die Franzosen, Belgier und Tschechen bringen es auf ähnlich dichte Wanderwege-Netze wie in Deutschland. Nord- und Ostseestrände kannst du in den Niederlanden, Dänemark und Polen auch super erkunden, wenn du nicht gleich nach Skandinavien willst. Und in der Schweiz sind die Wanderwege fast mit einer ähnlichen Präzision angelegt wie deren Uhrwerke. Viel Spaß beim weiter schmökern. Und natürlich: 

Viel Spaß beim wandern!

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