In Europa wandern
Über das Wandern in Europa. So vielfältig wie der ganze Kontinent.

Feature-Foto von de Dana Marin (Amsterdamian) auf Unsplash

Wandern in den Niederlanden ist etwas für geruhsame Wanderfreunde. Die Dünen der Nordseeküste entdecken oder durch das Blütenmeer der Tulpen im Frühling streifen? Oder doch die südlichen Niederlande mit ihrer welligen Landschaft, den Wäldern und versteckten Höfen erkunden? Die Landschaft reicht von flach bis wellig und von endlos weit offen bis zu einem Versteckspiel in den friedlichen Wäldern. Wenn du mal ein abwechslungsreiches flaches Land erkunden möchtest, anstatt immer nur die Berge, bis du in den Niederlanden genau richtig.

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Die Niederlande haben ein ganzjährig mildes Klima. Es ist wirklich selten, daß die Polder im Winter zufrieren und auch im Sommer sind keine Höchsttemperaturen zu erwarten. Von daher kannst du fast das ganze Jahr über in den Niederlanden wandern, wobei natürlich von April/Mai bis in den Oktober die schönste Saison ist. Regelmäßige Schauer und auch mal ein Landregen halten die Vegetation grün, aber sind bei weitem nicht so häufig wie in Irland oder der schottischen Westküste.

Wenn du die Tulpenblüte erleben möchtest, solltest du ungefähr Anfang bis Mitte April einplanen. Da die Blütezeit jedes Jahr um einige Wochen schwankt, kannst du im März noch zu früh dran sein und bist im Mai meist definitiv zu spät.

Wenn du im Winter an der Küste wandern möchtest, solltest du allerdings Wind mögen und einen Ausweichplan für Sturmtage haben. Und wer im Winter im Süden unterwegs ist, sollte sicherheitshalber dennoch seine normale Winter-Wanderausrüstung dabei haben. Warm ist es nicht und Eisglätte durchaus normal.

Die Wanderwege in den Niederlanden

Wie viele Wanderwege gibt es in den Niederlanden?

Während die meisten Aktivurlauber die Niederlande vor allem für Radurlaube auf dem Radar haben, gibt es tatsächlich über 10 000 km markierte Wanderwege und ein riesiges Netz an Wanderknotenpunkten, mit dem sich jeder seine Wandertour nach eigenem Geschmack zusammenstellen kann. Außerdem führen Abschnitte der europäischen Fernwanderwege E2, E8, E9 und E11 durch die Niederlande.

Wandern in den Niederlanden: Übersicht Wanderwege in den Niederlanden ausgewertet aus den Daten der OSM Datenbank

Auswertung der in der OSM-Datenbank eingetragenen Wanderwege in den Niederlanden.

die beliebtesten Wanderwege in den Niederlanden

In den Niederlanden gibt es viele beliebte Wanderwege, die durch die charakteristisch flache und malerische Landschaft des Landes führen. Hier sind einige der Schönsten:

Pieterpad (LAW 9): Dies ist einer der bekanntesten Fernwanderwege in den Niederlanden und erstreckt sich über etwa 500 Kilometer von Pieterburen im Norden bis zum Sint-Pietersberg bei Maastricht im Süden. Der Weg führt durch abwechslungsreiche Landschaften, darunter Wälder, Flusstäler und kleine Dörfer. Der Weg hat seine eigene, aber leider rein niederländische Homepage, mit vielen Informationen.

Kustpad (Niederländischer Küstenweg, LAW 5): Der niederländische Küstenweg, Teil des North Sea Trail bzw. des E 9, bietet spektakuläre Ausblicke auf die Nordseeküste. Der Weg führt Wanderer auf insgesamt rund 711 km entlang von Dünen, Stränden und durch Küstennaturreservate. Er ist besonders beliebt für seine schöne Küstenlandschaft und die frische Meeresbrise. Ein Teil des Weges ist auch Bestandteil des E 2.

Floris V-pad (LAW 1-3): Benannt nach dem Grafen Floris V, führt dieser ca. 245 Kilometer lange Weg von Amsterdam nach Bergen op Zoom. Er ist historisch bedeutsam und durchquert typisch holländische Landschaften, einschließlich Polder, kleine Wälder und malerische Städte.

Trekvogelpad (LAW 2): Auch bekannt als „Vogelzugweg“, ist dieser über 400 Kilometer lange Wanderweg einer der längsten kontinuierlichen Wanderwege der Niederlande. Er führt von der Küste in Zeeland quer durch das Land bis in die östlichen Provinzen. Er ist ideal für Naturbeobachtungen, insbesondere zur Vogelzugzeit.

Marskramerpad (LAW 3): Dieser historische „Handelsreisendenweg“ erstreckt sich über etwa 370 Kilometer von Bad Bentheim an der deutsch-niederländischen Grenze bis nach Scheveningen an der Nordsee. Der Weg folgt alten Handelsrouten durch das Herz der Niederlande und bietet eine Mischung aus städtischen und ländlichen Landschaften. Er ist Teil des E 11.

Hanzestedenpad (Hansestädtepfad, SP 11): Der Hansestädtepfad verbindet auf 135 km historische Hansestädte entlang der Flüsse IJssel und Vecht. Der Weg führt Wanderer durch einige der schönsten alten Städte der Niederlande, die einst blühende Handelszentren waren. Städte wie Deventer, Zutphen, und Kampen bieten reiche historische Architektur und ein faszinierendes mittelalterliches Erbe, das bis heute sichtbar ist. Ein idealer Wanderweg für Liebhaber der Geschichte des mittelalterlichen Handels.

Diese Wege sind sehr beliebt bei sowohl lokalen als auch internationalen Wanderern und bieten einzigartige Einblicke in die natürliche und kulturelle Vielfalt der Niederlande. Sie sind ideal für diejenigen, die das Wandern in eher flachem Gelände bevorzugen und die reiche Geschichte und Natur des Landes erleben möchten.

Tulpen in den Niederlanden

Wenn du dich besonders für die blühenden Felder im Frühling interessierst, kannst du hier eine meist recht aktuelle, englischsprachige Karte finden, wo die blühenden Felder rund um den berühmten Keukenhof angezeigt werden. Auf lokalen Wanderwegen kannst du dann viele der Felder umrunden und die Attraktionen erkunden. Weitere große Tulpenfelder finden sich in Noordoostpolder in Flevoland und in Kop van Holland in Noord-Holland, aber auch vielen anderen der küsten-näheren Regionen der Niederlande.

Wo kannst du auf den Wanderungen schlafen?

Die Niederlande sind ein sehr dicht besiedeltes Land. Daher findest du fast überall reichlich Hotels und Pensionen, Bed & Breakfasts und andere Herbergen, um dich nach deinem Wandertag auszuruhen.

Wenn du das Besondere suchst, schau vielleicht nach Übernachtungsmöglichkeiten auf Hausbooten oder in alten Windmühlen. Ab und an findest du auch Pipowagen auf Campingplätzen oder auf dem Lande. Das sind alte, ausrangierte, aber meist liebevoll aufgemöbelte und oft farbenfrohe Zirkuswagen. Auch Trekkershutten oder die Nivon-Häuser sind eine Möglichkeit, wenn sich eins an deinem gesuchten Ort befindet.

Wenn du lieber mit dem Zelt unterwegs bist, gibt es in den Niederlanden mehr als ausreichend Zeltplätze. In manchen Naturschutzgebieten gibt es auch einfache Naturcampingplätze oder du findest Campingplätze bei Bauernhöfen wie bei campspace

Und manchmal findest du auch Paalkamperen-Plätze. Da kannst du im Umkreis von 10m des Markierungs-Schildes dein Zelt aufschlagen. Diese ausgewiesenen Stellen sind allerdings selten und offenbar gab es Probleme, denn sie werden rapide noch seltener. Sie sind das nächste, was in den Niederlanden zum wildzelten erlaubt ist. 

Echtes wildes Zelten ist verboten und wird vor allem in Küstennähe oft sehr streng überwacht.

Welche Ausrüstung wird gebraucht?

Um in den Niederlanden zu wandern brauchst du keine besondere Ausrüstung jenseits des üblichen Trios: passende Wanderschuhe mit griffiger Sohle (eins der Länder wo Trailrunning-artige Schuhe fast sicher für alle Lagen ausreichen), schnelltrocknende Wanderkleidung und ein passender Rucksack.

Ein windfester Regenschutz gehört auch ins Gepäck, denn mit Schauern musst du immer rechnen und besonders an der Küste ist Wind Alltag. Eventuell lohnt es sich für dich sogar, eine leichte Windjacke einzupacken, so daß du bei knallender Sonne aber heftigem Wind nicht gleich die Hardshell rausholen musst.

Wenn du im Sommer unterwegs bist, solltest du natürlich die klassischen Sonnen-Accessoires nicht vergessen: Sonnenbrille, Sonnencreme und Sonnenhut. Letzter sollte an der Küste besser ein Sturmband haben, sonst legst du wahrscheinlich häufiger mal einen Sprint hin um dein lustig tanzendes Hütchen wieder einzusammeln.

Wie läßt sich Ausrüstung ersetzen/ergänzen?

Wenn dir in den Niederlanden etwas von deiner Ausrüstung kaputt oder verloren geht, dann findest du in den größeren Orten immer mal einen Sportladen, in dem sich oft auch eine Ecke mit Wanderausrüstung finden läßt. Die großen Platzhirsche sind dabei Bever und Decathlon. 

Solltest du so gar nicht fündig werden, dann bleibt wie üblich nur das Internet. Auch hier haben die Läden von Bever und Decathlon die Nase vorn, aber auch der Allrounder Bol ist nicht schlecht, da er für manche Artikel auch Übernacht-Lieferungen anbietet. 

Die Paketlaufzeiten sind extrem kurz und auch aus Deutschland brauchen die Pakete kaum einen Tag länger als gewohnt. Und die Versandkosten sind auch erträglich.

Zur Lieferung kannst du dir einen Paketshop oder eine Packstation einige Tage voraus auf deinem Weg raussuchen, die zur Lieferzeit passt und an dem Tag geöffnet ist. Oder du sprichst dich mit deiner zukünftigen Herberge ab und läßt dir das Paket dorthin liefern. Meist funktioniert auch das ganz gut (wenn sie zustimmen und du natürlich deinen Namen mit auf dem Paket angibst).

Der Proviant: Wie versorgst du dich auf der Wanderung mit Essen

Die Niederlande sind sehr dicht besiedelt und so findest du immer wieder Supermärkte und Läden in den Orten in der Nähe der Wanderwege. Google hilft bei der Suche. Die beste Zeit zum Einkaufen ist zwischen 10 Uhr und 18 Uhr, Supermärkte sind oft bis 21 Uhr geöffnet. Sonntag oder Montag sind die häufigsten Schließtage.

In den ländlichen Gebieten kann es schwierig werden, einfache Restaurants zu finden, aber oft gibt es in Cafeterien einfache warme Mahlzeiten.

Trinken – Hinweise für die Wasserversorgung unterwegs

Dein Trinkwasser solltest du in den Niederlanden immer in den Herbergen auffüllen. Oder unterwegs bei Stopps in Restaurants oder Cafeterien um Auffüllen bitten. Das Oberflächenwasser (Flüsse, Bäche, Seen) solltest du in einem so stark agrarisch geprägten Land lieber nie verwenden (auch nicht mit Filter). Lieber im absoluten Notfall am nächsten Haus klingeln und freundlich nachfragen. Normalerweise solltest du aber vorher eine andere Möglichkeit gefunden haben.

Kurze Informationen für die Anreise

Sprache: Niederländisch

Verständigung: In erster Linie Niederländisch. Die meisten Niederländer sprechen und verstehen auch Englisch. Und ein sehr großer Teil der Bevölkerung spricht auch mehr oder weniger gut Deutsch. Im Fall der Fälle helfen Google Translate oder die App von Deepl.

Währung: Euro

Zahlungsmittel: Vor allem Kreditkarte. Bargeld kommt immer mehr aus der Mode. Oft stehen auch die modernen Varianten mit ApplePay oder Google Wallet zur Verfügung.

Zeitzone: gleiche Zeitzone wie der Rest von Mitteleuropa

Mit dem Flugzeug kommt man von fast überall zum Amsterdamer Flughafen Schiphol, aber auch Rotterdam/Den Haag, Maastricht, Eindhoven und Gronigen werden international angeflogen.

Mit dem Zug gibt es aus fast allen deutschen Großstädten Verbindungen nach Amsterdam (oft über Rotterdam) und auch ein Nachtzug fährt von Wien oder Innsbruck bis Amsterdam und nimmt auf dem Weg einige weitere Städte mit.

Auch Eurolines und Flixbus fahren in die Niederlande und bauen ihr Linien-Angebot einschließlich diverser Nachtbusse immer weiter aus.

Das öffentliche Verkehrsnetz der Niederlande ist sehr gut ausgebaut. Ein relativ dichtes Schienennetz überzieht das Land. Und wo die Züge nicht hinfahren oder die Verbindung umständlich wird, übernimmt das Busnetz den Rest.

Der Strom kommt in den Niederlanden mit 230V aus der Steckdose und wenn du mit einem Eurostecker unterwegs bist, brauchst du keinen Reiseadapter. Und da man doch sehr oft in einer Unterkunft übernachten muss, brauchst du meist nur eine moderat große Powerbank um deine Geräte gut mit Strom zu versorgen.

Sicherheit & Notfälle

Grundsätzlich sind die Niederlande ein recht sicheres Reiseland. In den Touristenhochburgen solltest du dich allerdings vor Trickbetrügern und Taschendiebstählen hüten. Misstrauen gegenüber jeglichen Fremden und herzzerreißenden Geschichten sind mehr als angebracht. 

Und grundsätzlich ist die Terrorwarnstufe recht hoch, jedoch nicht akut. Das betrifft allerdings vor allem Gegenden, in denen sich Wanderer eher selten aufhalten. Du kannst also deine Reise getrost planen und solltest nur so wie überall deine Siebensachen beisammen und die Augen offen halten.

Von der Flora und Fauna der Niederlande sind auch keine großen Gefahren zu erwarten. Derzeit wird an den Küsten vor einer Raupenart mit Brennhaaren gewarnt, die sich ausbreitet, aber wenn du die Warnhinweise beachtest, kannst du dich leicht schützen. Ansonsten einfach den üblichen Abstand zu Spinnen, Wassertieren und was dir noch über den Weg läuft, halten und du hast keine Probleme zu erwarten.

Wenn du aller Vorsicht zum Trotz einen Unfall hast und dich nicht selbst ins Krankenhaus begeben kannst, wählst du die in Europa weit verbreitete 112. Und hast hoffentlich deine europäische Krankenkassenkarte dabei und eine Auslandsreisekrankenversicherung abgeschlossen.

Wo findest du weitere Informationen zum Wandern?

Wenn du dich an eine niederländische Seite wagst, findest du auf wandelnet.nl so ziemlich alle Informationen, die du dir über das Wanderwegenetz in den Niederlanden wünschen kannst.

Mehr allgemeine, aber gute Informationen zum Urlaub in den Niederlanden gibt es auf holland.com, dem offiziellen Tourismus-Portal des Landes. 

Wenn du noch Sicherheits- und Reiseinformationen für eine Reise in den hier ignorierten karibischen Teil der Niederlande brauchst, schaust du am besten beim Auswärtigen Amt vorbei.

Die Niederlande sind mal eine andere, sehr charmante Erfahrung zum wandern. Aber besonders für Leute, die endlich mal keine Berge erklimmen wollen, eine sanfte und doch abwechslungsreiche Alternative. Und wenn dir das Land zu klein ist, dann wandere doch einfach weiter. Es gibt genügend Wanderwege, die gleich weiter führen, sowohl nach Belgien als auch nach Deutschland

Viel Spaß beim Wandern!

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