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Belgien ist ein wunderbares Land für entspanntes Wandern und doch haben es bisher nur wenige Wanderer auf dem Schirm. Dabei kannst du wunderbar Wälder oder Hochmoore entdecken oder entlang der Küsten oder durch historische Orte flanieren. Wenn du es doch einmal probieren willst, findest du in diesem Artikel alle notwendigen Informationen.
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Das Klima in Belgien ist sehr mild. Weder sind im Hochsommer besonders heiße, noch im Winter besonders tiefe Temperaturen zu erwarten. Also ideales Wanderwetter von Frühling bis etwa Ende Oktober. Und wenn du Schnee und Eis nicht scheust, kannst du im Winter weiter wandern.
Damit die Landschaft so wunderbar grün bleibt, ist es auch sehr feucht und guter Regenschutz gehört daher immer ins Gepäck.
Die Wanderwege in Belgien
Wie viele Wanderwege gibt es in Belgien?
Belgien ist ein gut erschlossenes Wanderland. Diverse Fernwanderwege (GR) durchqueren kreuz und quer die Landschaft und mehrere Wege der europäischen Fernwanderwege führen auch durch Belgien: E2 (durch Flandern), E3 (durch die Ardennen), E9 (entlang der Küste).
Das gesamte Netzwerk der signierten Wanderwege umfasst etwa 10.000 Kilometer. Diese Wege führen durch die vielfältigen Landschaften des Landes, von den sanften Hügeln der Ardennen bis zu den flachen Küstenebenen. Darüber hinaus gibt es zahlreiche lokale und regionale Wanderwege, die zusätzliche Möglichkeiten für Wanderer bieten.
Was ist für Wanderer in Belgien besonders
Besonders beliebt für Wanderurlaube ist die Wallonie mit den Wäldern und Schluchten der Ardennen und den Hochmooren des Hohen Venn. Aber auch an der Küste gibt es interessante Wandermöglichkeiten. Flandern ist durch seine flachere Fluss- und Polderlandschaft meist weniger bei den Wanderern, aber deutlich mehr bei den Radwanderern beliebt. Dennoch ist das Angebot an Wanderwegen reichlich.
Recht beliebt in Belgien und für stationäre Wanderurlaube besonders interessant, sind die häufig anzutreffenden Wander-Knoten-Netzwerke. Da sind keine Wege an sich ausgeschildert, sondern die Wanderweg-Kreuzungen als Knoten beschildert und ausgewiesen und jeder Wanderer stellt sich seine Tages- oder Mehrtageswanderung nach eigenem Gefallen zusammen.
die beliebtesten Wanderwege in Belgien
GR 5 (Grand Randonnée 5): Der GR 5 ist Teil eines europäischen Fernwanderwegs, der von der Nordsee bis ans Mittelmeer führt. Der belgische Teil ist etwa 300 km lang und durchquert die Ardennen, eine Region bekannt für ihre dichten Wälder und hügeligen Landschaften.
GR 12 (Amsterdam-Paris): Dieser Wanderweg verbindet Amsterdam mit Paris und führt auf 200 km seiner rund 1200 km durch die belgischen Regionen Flandern und Wallonien. Er bietet eine Mischung aus urbanen und ländlichen Landschaften. Entdecke historische Städte wie Brüssel und genieße die ruhigen Waldwege.
GR 129 (Dwars door België): Der GR 129 führt 500 km quer durch Belgien von Brügge in Flandern bis nach Dinant in Wallonien. Er bietet eine großartige Gelegenheit, die charmanten Städte und die sanften Landschaften der Ardennen zu genießen.
GR 573 (Vesdre und Hoëgne): Dieser Weg folgt den Flüssen Vesdre und Hoëgne rund 165 km weit durch die Ardennen und ist bekannt für seine natürliche Schönheit und ruhige Umgebung.
GR 16 (Sentier de la Semois): Dieser Wanderweg folgt dem Lauf des Semois-Flusses von der Quelle bis zur Mündung und durchquert dabei einige der schönsten Teile der belgischen Ardennen. Auf rund 200 km kommen alle Liebhaber von Flusslandschaften und Wäldern auf ihre Kosten.
GR 412 (Sentier des terrils): Wer mal etwas völlig Ungewöhnliches erleben möchte, wandert den GR 412 oder einen Teilabschnitt davon. Dieser Weg führt fast 300km über tausende Abraumhalden von 800 Jahren Kohlebergbau. Einige dieser Abraumhalden haben noch genug Kohleanteil, um sich selbst zu entzünden, und sind gesperrt. Aber die meisten sind erloschen und beherbergen eine einzigartige Flora und Fauna.
Diese Wege bieten nicht nur spektakuläre Landschaften und eine reiche Vielfalt der Flora und Fauna, sondern auch Einblicke in die Kultur und Geschichte Belgiens. Sie sind ideal, wenn du die natürliche Schönheit Europas in einem kompakten Format erleben möchtest.
Wo kannst du auf den Wanderungen schlafen?
In Belgien gibt es eine gute Mischung an Hotels, Ferienhäusern, Pensionen ähnlich den Bed&Breakfast und andere Herbergen für den müden Wanderer.
Wenn du mit dem Zelt unterwegs bist, wirst du auf Campingplätzen fündig. Oder steuerst einen der wenigen legalen Trekking-Campingplätze an. Wildcampen ist allerdings verboten und wird besonders an der Küste auch recht scharf überwacht.
Welche Ausrüstung wird gebraucht?
Um in Belgien zu wandern, ist kaum besondere Ausrüstung erforderlich. Das übliche Trio von Schuhen mit griffiger Sohle, bequeme, schnell trocknende Wanderkleidung und gut sitzender Rucksack sind ein guter Start.
Das Trio sollte unbedingt um ein gutes Set Regenkleidung ergänzt werden, denn Regen ist immer zu erwarten. An der Küste kann die Regenjacke eventuell gleich als Windschutz mit herhalten, oder du solltest eine eigene Windjacke im Gepäck haben.
Ansonsten brauchst du nur wie üblich im Sommer Sonnenbrille, Hut und Sonnencreme dabei haben (besonders, wenn man an der Küste wandert) und im Winter seine Winterwander-Ausrüstung einpacken. Besonders in den Ardennen sind Schnee und Eis zu erwarten und da solltest du entsprechend ausgerüstet sein.
Wie läßt sich Ausrüstung ersetzen/ergänzen?
Wenn dir in Belgien ein Teil deiner Ausrüstung verloren oder kaputt geht, bist du recht gut aufgehoben. Filialen vom Outdoor-Marktführer A.S. Adventure sind im ganzen Land verteilt, aber auch Decathlon, Bever und weitere Anbieter sind vertreten und selten wirklich weit entfernt.
Wenn du nicht fündig wirst, dann bleibt nur das Internet. Alle großen Anbieter haben Webshops und sind recht fix im Versand. Die genauen Lieferzeiten solltest du natürlich prüfen, aber Pakete brauchen oft nur 1-2 Tage zum Ziel.
Liefern lassen kannst du dir die Pakete an dir passend liegende (und geöffnete!) Paketshops oder Packstationen. Oder du fragst bei einer deiner nächsten gebuchten Herbergen, ob sie ein Paket für dich annehmen können. Wenn du rechtzeitig freundlich nachfragst, ist das meist kein Problem. Achte nur darauf, daß du genügend Zeitpuffer eingeplant, falls doch mal etwas nicht so läuft, wie erhofft.
Der Proviant: Wie versorgst du dich auf der Wanderung mit Essen
Belgien gehört zu den Schlemmer-Ländern in Europa. Wenn du dich durch die 1000 Biersorten kosten willst, brauchst du auch ein wenig Substanz im Magen.
Und als Wanderer hast du das Glück, dich bedenkenlos durch Belgiens Spezialitäten kosten zu können: Die Kalorien von belgischen Pralinen und belgischen Fritten (mit und ohne Muscheln), Waffeln und Spekulatius, Stoofvies (einem Eintopf) und Ardennen-Schinken wanderst du in den nächsten Tagen einfach wieder runter.
Um deinen Proviant aufzustocken, peilst du meist am Besten einen der Supermärkte der nächsten Stadt an, durch die du wanderst. Du bist selten weit von einer entfernt.
Geschäfte haben in Belgien meist von 9-18 Uhr geöffnet und sind am Sonntag geschlossen. Wer Pech hat, kommt zur Mittagspause von 12-14 Uhr und steht vor geschlossener Tür.
Auf dem Land findest du in kleineren Orten auch immer wieder mal Convenience Shops, die als „Nachtwinkels“ oder „Avondwinkels“ bezeichnet werden, oder auch an Tankstellen angeschlossene kleinere Läden von großen Supermarkt-Ketten. Hier kannst du dich oft zumindest mit irgendetwas Essbarem eindecken, bis du wieder einen geöffneten Supermarkt findest, der deine bevorzugten Produkte führt. Diese kleinen Läden sind nicht immer an die Ladenöffnungszeiten gebunden und können teilweise auch sonntags, feiertags und am Abend geöffnet sein.
In vielen Orten findest du noch immer Wochenmärkte, auf denen du dich mit lokalen Lebensmitteln und Backwaren eindecken und Neues entdecken kannst.
In den Ardennen gibt es mehrere Hütten und Schutzhäuser, die eine angeschlossene Wirtschaft haben, in der du zu Mittag essen kannst.
Besonders entlang beliebter Wanderwege findest du als Wanderer immer wieder Restaurants, Bistros und Cafés, wo du mittags rasten und essen kannst. Oder ein spätes Frühstück oder frühes Abendessen findest (aber nicht vor 17 Uhr).
Am häufigsten sind Restaurants und Cafés am Sonntagabend und am Montag geschlossen, aber auch an öffentlichen Feiertagen bleiben bei vielen Restaurants die Türen zu. Prüfe also bei deiner Reiseplanung auch, wann du wo auf geschlossene Türen stoßen wirst und wie du dich dann versorgen kannst.
Trinken – Hinweise für die Wasserversorgung unterwegs
Grundsätzlich solltest du in Belgien deine Wasservorräte vor allem am Wasserhahn aufstocken. Das Leitungswasser hat eine gute Qualität und wenn du welches erwischst, was nicht schon stundenlang in der Leitung stand, brauchst du dir keine Sorgen zu machen.
Von der Verwendung von Oberflächenwasser (Bäche, Seen, Flüsse) würde ich mit und ohne Filter eher abraten. Belgien hat ein paar Jahrhunderte Bergbau und Landwirtschaft hinter sich, da können selbst in scheinbar naturbelassenen Wäldern Spuren im Wasser sein, mit denen kein tragbarer Wasserfilter klar kommt.
Kurze Informationen für die Anreise
Sprache: Niederländisch, Französisch und ein winziges bisschen Deutsch ganz im Osten
Verständigung: in erster Linie Französisch oder Niederländisch. Im Tourismus-Sektor kommst du fast überall auch gut mit Englisch aus. Deutsch eher in seltenen Glücksfällen. Im Fall der Fälle helfen Google Translate oder die App von Deepl.
Währung: Euro
Zahlungsmittel: meist Kredit- oder Maestrokarten, oft auch noch Bargeld, aber seltener als in Deutschland
Zeitzone: gleiche Zeitzone wie der Rest von Mitteleuropa
Wenn du mit dem Flugzeug anreisen willst, landest du am ehesten in Brüssel Zaventem. Aber auch in Lüttich und dem südlich von Brüssel gelegenen Brussels South Airport Charleroi landen internationale Flüge.
Mit dem Zug kommst du ebenfalls sehr gut nach Belgien. Der Thalys fährt vor allem aus dem Ruhrgebiet, aber es gibt auch ICE-Züge, IC-Verbindungen und Nachtzüge mit Stopps in Belgien.
Auch Eurolines und Flixbus fahren Ziele in Belgien an.
Der ÖPNV ist in Belgien recht gut ausgebaut. Ein recht dichtes Schienennetz überzieht das Land und wird von der SNCB/NMBS bedient. Mit dem Zug kommt man fast in jede Stadt und das schneller als mit dem Bus. Und dort, wo der Zug nicht hin kommt, fahren Busse.
Auch in Belgien kommt der Strom ganz normal aus der Steckdose. Das Netz hat 230V und wenn du mit Eurosteckern unterwegs bist, solltest du keine Adapter brauchen.
Da Belgien ein dicht besiedeltes Land ist, wo es sich wirklich lohnt, Wandern und Städte-Erkunden zu kombinieren, solltest du nur eine ausreichend dimensionierte Powerbank im Gepäck haben. Um dich mit Quellen für regenerative Energien abzuschleppen, kommst du normalerweise einfach zu oft in die Zivilisation.
Sicherheit & Notfälle
Grundsätzlich ist Belgien ein recht sicheres Reiseland. In den Touristenhochburgen solltest du dich allerdings vor Trickbetrügern und Taschendiebstählen hüten. Misstrauen gegenüber jeglichen Fremden und herzzerreißenden Geschichten sind mehr als angebracht.
Und grundsätzlich ist die Terrorwarnstufe recht hoch, jedoch nicht akut. Das betrifft allerdings vor allem Gegenden, in denen sich Wanderer eher selten aufhalten, sofern du nicht gerade durch eine Großstadt wanderst oder einen Abstecher zu einer Großveranstaltung machst. Du kannst also deine Reise getrost planen und solltest nur so wie überall deine Siebensachen beisammen und die Augen offen halten.
In Belgien hast du keine großartigen Begegnungen mit gefährlichen Wildtieren zu erwarten. Zwar gibt es wieder Wölfe, aber du must ernsthaft viel Glück haben, wenn du tatsächlich einem begegnest.
Anders sieht es mit Wildschweinen aus. Solltest du in der Dämmerung einer Rotte begegnen, schlimmstenfalls eine Sau mit ihren Jungtieren, dann ziehe dich besser umgehend zurück und mache dann durch ruhiges Sprechen auf dich aufmerksam. Meist verkrümelt sich die Rotte dann und du kannst weiter wandern. Wenn nicht, dann ist es besser, du suchst dir einen anderen Weg.
Ansonsten solltest du vor allem auf Zecken achten, da diese in Belgien Borreliose übertragen können.
Bei den Pflanzen gilt die übliche Regel, nichts anzufassen, was du nicht sehr gut kennst und sicher identifizieren kannst. Nur der Riesen-Bärenklau mit seinen auffälligen weißen Blütendolden und einer Wuchshöhe von 3-4 m sollte auf jeden Fall gemieden werden. Er kann schwere Hautverbrennungen hervorrufen, wenn der Saft der Pflanze auf die Haut kommt und dann dem Sonnenlicht ausgesetzt wird.
Wenn du aller Vorsicht zum Trotz einen Unfall hast und dich nicht selbst ins Krankenhaus begeben kannst, wählst du die in Europa weit verbreitete 112. Und hast hoffentlich deine europäische Krankenkassenkarte dabei und eine Auslandsreisekrankenversicherung abgeschlossen.
Wo findest du weitere Informationen zum Wandern?
Die Belgier haben ihre Tourismus-Informationen in eine wallonische und eine flandrische Seite geteilt. Auf der wallonischen Webseite findest du jede Menge Tourenvorschläge und Informationen und sie pflegen auch fleißig ihren komoot-Auftritt.
Wandern ist in Flandern offenbar kein großes Thema, allerdings findest du immerhin noch ein paar gute Anregungen und viele allgemein nützliche Informationen für deinen Urlaub.
Bücherecke
Es gibt nicht viele Wanderführer für Belgien, aber ein paar wenige kann ich euch vorstellen. Achtung! Der Jakobsweg-Wanderführer ist ziemlich alt, aber der einzige seiner Art. ![]()
Belgien, ein Land, das oft wegen seiner kompakten Größe unterschätzt wird, ist ein wahres Wanderparadies mit Routen, die durch vielfältige Landschaften führen – von den mystischen Ardennen bis zu den sanften Küstenlinien. In diesem Artikel hast du die spannendsten Wanderwege Belgiens kennengelernt und Tipps bekommen, wie du diese am besten erkunden kannst.
Darüber hinaus lohnt es sich, den Blick über die Grenzen hinaus zu werfen: Die Wanderwege in den benachbarten Niederlanden, Frankreich und Deutschland bieten weitere faszinierende Touren, die sich hervorragend mit einem belgischen Wanderabenteuer kombinieren lassen. Entdecke also nicht nur die natürliche Schönheit Belgiens, sondern auch die reiche Vielfalt der umliegenden Länder zu Fuß.
Viel Spaß beim Wandern!
