Feature-Foto von Ferhat Deniz Fors auf Unsplash
Portugal haben noch nicht viele Wanderer auf dem Schirm, wenn sie ihren nächsten Urlaub planen. Dabei ist das Land eine wunderbare Destination für alle sonnenhungrigen Wanderer und sämtliche, die im Winter noch Sonne nachtanken müssen. Das Wegenetz ist noch überschaubar, doch selbst für einen längeren Wanderurlaub lassen sich tolle Strecken finden, um das Land zu erkunden.
Das Klima in Portugal ist eigentlich das ganze Jahr über recht mild.
Im Norden des Landes geht die Wandersaison eher von Ostern bis Oktober. Es ist ein wenig kühler und regnerischer als im Süden und somit auch im Sommer meist gut zu erkunden.
Im Süden ist vor allem an der Algarve und im Landesinneren die Wandersaison eher entgegengesetzt. Da leidet das Land von Juni bis in den Oktober hinein meist unter Hitze und Dürre, was dir den Wanderspaß gründlich verderben kann. Dafür ergrünt das Land dann mit den ersten Regenfällen etwa ab November wieder. Und wenn im Februar die Obstbaumblüte losgeht, blüht das Land den ganzen Frühling hindurch, bis dann gegen Ende Mai wieder eine Art Sommerruhe eintritt.
Hier kannst du bestens im Winter die Wandersaison verlängern und ohne die lästigen Sommer-Touristenmassen die Gegend und die Strände erkunden. Du solltest nur den Wetterbericht im Auge behalten, denn der Winter ist immer auch die Zeit der Stürme und Regen, was besonders an den Küsten sehr gefährlich werden kann.
Portugal ist also ideal, um die Wandersaison sehr früh im Jahr zu eröffnen oder sehr spät im Jahr zu beenden.
Die Wanderwege in Portugal
Wie viele Wanderwege gibt es in Portugal?
Portugal entwickelt sich gerade erst als Wanderland und daher sind erst recht wenige Wege vorhanden. Und Kartenmaterial und Beschilderung lassen meist zu wünschen übrig. Trotzdem wirst du unter den inzwischen mehr als 8000 km Wanderwegen wahrscheinlich fündig, oder du machst dich mit Karte, Kompass und genügend Übung einfach selbst auf den Weg und erkundest das Land frei der Nase nach. Bereit auch mal umzudrehen, wenn es nach vorn nicht weiter geht.
die beliebtesten Wanderwege in Portugal
Für den Einsteiger oder den Liebhaber einigermaßen etablierter Wege gibt es in Portugal bereits tolle Möglichkeiten:
Rota Vicentina: ein 750 km langes Streckennetz von Wegen, mit denen du den Naturpark Sudoeste Alentejano und Costa Vicentina erkunden kannst. Sie besteht aus dem bekannten Fischerweg und dem Historischen Weg plus einem Netz an kürzeren Strecken, meist Rundwanderwegen, welche die Atlantikküste erkunden. Die Rota Vicentina ist einer der beiden ERA Best of Europe Trails in Portugal.
Duoro-Tal: Wenn du in Portugals berühmtesten Weinanbaugebiet wandern willst, kannst du den “GR36 – Grande Rota do Douro Internacional ao Douro Vinhateiro” erwandern. Der Wanderweg führt über rund 200 km zumeist am Duoro-Fluss entlang. Dabei kannst du wunderbar die Weine und die portugiesische Küche gleich mit entdecken.
Via Algarviana – der Algarve-Weg: Ein Pilgerweg, der mal nicht nach Santiago de Compostela sondern zu den Reliquien des Heiligen Vinzenz führt. Über 300km führt der Weg durch die Algarve durch charmante Dörfer und bildschöne Korkeichenwälder.
Jakobsweg Camino Portugues: Der Jakobsweg, der von Porto nach Santiago de Compostela in Spanien führt. Ein Wanderweg, der besonders für (Fern-)Wanderanfänger geeignet ist, da er “nur” 250 km lang ist. Er ist mit einer guten Infrastruktur für Wanderer versorgt und für die iberische Insel recht flach. Wenn du es etwas herausfordernder magst, wanderst du schon in Lissabon los und erwanderst den Caminho Portugues.
Besonders bekannt sind natürlich auch die portugiesischen Inseln Madeira (die Blumeninsel mit den weltbekannten Levadas) und die traumhaften Azoren-Inseln. Aber da diese Inseln beim besten Willen nicht mehr zu Europa zählen, lasse ich sie hier außen vor. Informationen lassen sich im Netz allerdings leicht aufstöbern.
Wo kannst du auf den Wanderungen schlafen?
Wenn du in Portugal wanderst, findest du vor allem kleine Pensionen und Herbergen am Wegesrand. In größeren Orten auch mal ein kleines Hotel. Hier und da auch mal eines der charmanten, aber auch etwas teureren weißen Landhäuser.
Bist du bevorzugt mit Zelt unterwegs, findest du einige Campingplätze, die allerdings im Landesinneren und besonders im Süden dünn gesät sein können. Wildes Campen ist verboten (und besonders im Sommer solltest du das Verbot respektieren. An der Küste wird kontrolliert, im Landesinneren riskierst du, schlimmstenfalls in einem Feuer gefangen zu sein).
An der Via Algarviana musst du ganz auf Campingplätze verzichten und solltest dich früh um die Unterkünfte in Herbergen, Pensionen oder den wenigen Hotels kümmern. Auf dem Weg sind noch nicht sonderlich viele vorhanden.
Welche Ausrüstung wird gebraucht?
Um in Portugal zu wandern brauchst du abgesehen vom üblichen Trio aus gut passenden Wanderschuhen mit griffiger Sohle, schnell trocknender Wanderkleidung mit hohem Lichtschutzfaktor und einem gut sitzenden Rucksack vor allem eins:
Sonnenschutz!
Sonnenbrille, Sonnenhut (am besten mit Sturmband) und Sonnencreme mit einem hohen Lichtschutzfaktor gehören auf jeden Fall ins Wandergepäck. Und wenn du direkt am Meer wanderst, gehst du beim Lichtschutzfaktor am besten noch einen Stufe höher.
Für uns hätten wir immer auch unsere Regen-Sonnenschirme mit der UV-Schutzschicht dabei. Sofern du nicht an einem windigen Ort bist, kannst du mit denen wie unter einer künstlichen Wolke wandern oder rasten und musst nicht auf den nächsten Baum warten. Sie sind nur leider bei Wind nicht einsetzbar und daher begrenzt für Küstenwanderungen geeignet. Aber im Inland im offenen Gelände ein Traum.
Ansonsten gehören natürlich auch große Trinkflaschen, bzw. Wasserblasen als Reservoirs ins Gepäck. Besonders wenn du in den Sommermonaten unterwegs bist. Du solltest allerdings auch im restlichen Jahr nicht unterschätzen, wie sehr du zwischen Sonne und teils dem Wind an der Küste ausgedörrt werden kannst.
Wie läßt sich Ausrüstung ersetzen/ergänzen?
In Portugal gehören Läden mit Wanderausrüstung eher noch zu den seltenen Dingen. Wenn du also unterwegs bemerkst, daß dir ein Ausrüstungsteil fehlt oder es kaputt gegangen ist, bist du vor allem auf das Internet angewiesen.
Da hilft nur im Internet einkaufen und das Paket zum in einigen Tagen nächstgelegenen Abholshop entlang der Route schicken lassen. Die größten Paketdienstleister in Portugal sind CTT (Portugal Post), DHL, FedEx oder UPS.
Für Pakete aus Deutschland sieht es allerdings schlecht aus. Laut DHL sind die nach Festland-Portugal schon mal 9 Werktage unterwegs. Da das gut zwei Wochen sind, ist für die meisten der Urlaub schon vorbei, ehe das Paket eintrifft. Auf die Azoren oder nach Madeira brauchen Pakete eher 2-3 Wochen.
Etwas mehr Glück kannst du bei Amazon haben. Amazon versendet nach Portugal aus Spanien heraus und ein Paket sollte daher ein wenig schneller eintreffen. Achte also unbedingt auf das Lieferdatum! Leider versenden sie nicht an Abholstationen, du brauchst also einen günstig gelegenen Abholshop oder den nachfolgenden Hinweis.
Sonst kannst du vorher freundlich bei einer deiner zukünftigen Unterkünfte anfragen, ob du dir ein Paket dorthin liefern lassen kannst. Meist ist das kein Problem und das Paket wartet dann oft schon auf deinem Zimmer auf dich.
Der Proviant: Wie versorgst du dich auf der Wanderung mit Essen
In Portugal sind noch kleine Märkte und Dorfläden recht verbreitet, wo du deine Essensvorräte aufstocken kannst. Wenn du durch eine Stadt mit Einkaufszentrum kommst, kannst du das Glück haben, fast rund um die Uhr einkaufen zu können. Normale Geschäfte haben eher von 9-18 Uhr geöffnet und kleine Läden machen oft von 13-15 Uhr Mittagspause.
Dazu gibt es in den Orten reichlich kleine und größere Restaurants und Cafés, die es zu entdecken gilt. Restaurants haben meist von 12-15 Uhr und von 19:30 Uhr bis 23 Uhr geöffnet.
Da Portugal relativ dünn besiedelt ist, brauchst du dann ein wenig Planung, so daß du gezielt die Supermärkte oder Dorfläden ansteuerst und nicht gerade am Feiertag davor stehst.
Trinken – Hinweise für die Wasserversorgung unterwegs
In Portugal versorgst du sich am besten in den Herbergen mit Wasser für den Wandertag, es sei denn, du kommst durch einen Ort, wo du sicher im Supermarkt oder einem Café dein Wasser aufstocken kannst (Öffnungszeiten prüfen!).
Besonders im Sommer solltest du nicht auf Brunnen oder Quellen setzen und viele der kleineren Oberflächengewässer sind ausgetrocknet. Gleichzeitig brauchst du an heißen oder windigen Tagen auch mehr Wasser als gewohnt und musst mit bis zu 1l Wasser pro 4 km Wanderstrecke rechnen. Eine Reserve-Wasserblase im Rucksack kann helfen, den Tag gut hydriert zu überstehen.
Kurze Informationen für die Anreise
Sprache: Portugiesisch
Verständigung: in erster Linie Portugiesisch. Die geläufigste Fremdsprache im Land ist Französisch. In vielen Touristengebieten gibt es im Service Personen mit Englisch- oder seltenen Deutsch-Kenntnissen. Im Fall der Fälle helfen Google Translate oder die App von Deepl.
Währung: Euro
Zahlungsmittel: Bargeld oder Kreditkarte. Bargeld hat noch einen recht hohen Stellenwert, Kreditkarte ist aber inzwischen auch sehr gut verbreitet.
Zeitzone: Mitteleuropa + 1h, d.h. wenn es in Berlin/Wien um 12 Uhr ist, ist es in Lissabon 11 Uhr.
Mit dem Flugzeug nach Lissabon oder Porto. Wenn du an die Algarve möchtest, fliegst du am besten nach Faro.
Wenn du das Abenteuer Zug nicht scheust, kannst auch den TGV nach Paris nehmen und von dort nach Barcelona fahren. Weiter nach Madrid, dann Merida und am spanisch/portugiesischen Grenzbahnhof Bajadoz nach Entroncamento. Dort starten dann die Züge nach Lissabon oder Porto. Bei der Reise solltest du nur mindestens eine Übernachtung an einem der Umstiegsorte einplanen. Für die Reise bietet sich das InterRail-Ticket an.
Außerdem ist Portugal aus Mitteleuropa in 2 Tagen mit dem Europabus zu erreichen. Wenn du ausreichend Sitzfleisch hast, kannst du diese Variante probieren.
Portugal verfügt über ein recht gut ausgebautes Schienennetz, auf dem die Züge vor allem verschiedene Orte miteinander verbinden. Mit dem Zug kommst du oft am Schnellsten von einem Ort zum anderen.
Zusätzlich gibt es ein gut ausgebautes Bussystem. Intercity-Busse decken das gesamte Land ab und du kommst mit ihnen auch dahin, wo die Züge nicht fahren. Das örtliche Bussystem deckt dann jeweils den örtlichen Bedarf und es gibt wenige Stellen, wo du nicht hinkommst.
Der Strom kommt auch in Portugal aus der Steckdose. Mit 220V und wenn du mit Eurosteckern unterwegs bist, solltest du keine Adapter brauchen.
Sicherheit & Notfälle
Grundsätzlich ist Portugal ein sehr sicheres Land mit einer gastfreundlichen Bevölkerung. Auf dem globalen Peace-Index liegen sie auf dem dritten Platz hinter Island und Neuseeland. Vor dem gemeinen Langfinger an den Touristenorten solltest du dich allerdings trotzdem hüten und auch allgemein deine Siebensachen beisammen halten.
Auch größere Wildtiere oder gefährliche Pflanzen sind nicht zu erwarten.
Dafür solltest du die rings ums Mittelmeer notwendigen Sicherheitsregeln beachten, um dich nicht mit Schlangen, Skorpionen oder anderem bissigen Kleingetier anzulegen. Zwar gibt es nur sehr wenige tödlich giftige Zeitgenossen, aber Bisse und Stiche müssen behandelt werden und tun selbst im besten Fall noch höllisch weh.
Zu einer größeren Gefahr kann allerdings gerade im Sommer die Sonne werden. Genügend Wasserreserven sind auf jeder Wanderung im Sommer Pflicht. Zusätzlich solltest du im Sommer die Brandgefahr im Blick behalten. Also unterlass bitte alles, was einen Brand auslösen kann, und achte auch auf Warnungen und Sperrungen.
Da sich Portugal als Wanderland auch gerade erst entwickelt, ist oft das Kartenmaterial noch suboptimal bis nicht vorhanden. Da sind dann Kompass und Orientierungssinn gefragt.
Wenn du trotz aller Vorsicht einen Notfall hast, wählst du die 112 für Feuerwehr, Polizei oder Krankenwagen. Gerade auf dem dünn besiedelten Land kann es aber eine Weile dauern, bis Hilfe kommt. Dir dann erst mal selbst helfen zu können, ist also Pflicht.
Wo findest du weitere Informationen zum Wandern?
Sehr gute Informationen zu Wanderrouten und auch Radtouren in Portugal findest du auf portuguesetrails.com.
Eine sehr interessante Seite für allgemeine Reiseinformationen über Portugal findest du mit dem PortugalExpert (leider keine Wanderinfos) oder gleich beim auswärtigen Amt.
Portugal ist ein sehr interessantes Wanderland für alle sonnenhungrigen Wanderer, oder jene, die auch im Winter die Wanderschuhe schnüren wollen, ohne unnötig zu frieren oder weite Flüge zu überstehen. Und wenn es noch ein wenig weiter gehen soll, dann kannst du direkt nach Spanien weiter wandern.
