In Europa wandern
Über das Wandern in Europa. So vielfältig wie der ganze Kontinent.

Wenn du einmal am Wandern Gefallen gefunden hast, werden dir Tagesausflüge bald nicht mehr reichen. Aber wie plant man denn eine Wanderung, bei der du einem Weg über mehrere Tage folgst? Dieser Post gibt dir eine Denk- und Vorbereitungshilfe für dein nächstes größeres Abenteuer.

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Das tolle an Europa ist seine unglaubliche Vielfalt und gleichzeitig die Wanderbegeisterung großer Teile der Bevölkerung. Grenzübergreifend. Dadurch gibt es wirklich für fast jeden Geschmack mindestens eine Wanderung irgendwo auf dem Kontinent. Meistens mehrere. 

Gibt es eine Ecke in Europa, die du schon immer mal erkunden wolltest? Dann finde heraus, wann dort die beste Wanderzeit ist. Meine Länderseiten helfen dir dabei.

Wolltest du schon immer eine bestimmte Art Tour machen? Dann gibt es viel Auswahl:

  • Hochgebirge gibt es nicht nur in den Alpen. Auch die Karpaten in Osteuropa, die Sierra Nevada, Picos de Europa und die Pyrenäen in Spanien und die Hohe Tatra an der Grenze zwischen Polen und der Slowakei gehören dazu. Aber auch die Munros in Schottland sind nicht zu verachten, da man dort oft von Meereshöhe startet und trotzdem 1000 Höhenmeter bis zum Gipfel bewältigen muss.
  • Sanftere Mittelgebirge gibt es fast überall in Europa. Egal ob Mitteleuropa, die iberische Halbinsel, große Teile Skandinaviens, Schottland, Wales oder der Balkan bis hinab nach Griechenland. Schöne Berge findest du fast überall. Schau dann vielleicht mit welchem Wetter du besser klar kommst (kühlerer Norden, wärmerer Süden, mehr oder weniger Wind an den Küsten) oder welche Kultur dich besonders interessiert.
  • Wenn deine Knie nicht mehr so für Steigungen zu haben sind, dann wirst du vielleicht eher in den Niederlanden und Dänemark fündig, aber auch in Teilen der Nordküste Frankreichs und entlang der gesamten Ostseeküste findest du oft flache Wanderwege. Aber auch Wanderwege entlang alter Bahntrassen oder Treidelwege können interessant sein, wenn du noch ein paar seltene Steigungen schaffst (meist ist es nicht völlig durchgängig flach auf diesen Trassen)
  • Und für Küstenliebhaber ist Europa der Traumkontinet schlechthin. Küstenwanderwege führen besonders im westlichen Europa fast um den ganzen Kontinent und jede größere Insel. Mal mehr, mal weniger dicht am Uferstreifen entlang. Mal entlang oder über hohe Klippen, mal entlang endloser Strände mit Sand und Stein. Nur Norwegen scheint nur eher lokale Wanderwege zu haben und keinen durchgängigen Küstenwanderweg. Bei der dortigen Geographie aber auch verständlich. Oft fallen die Felswände derart steil in die Fjorde, daß kein Platz für einen Weg bleibt.
  • Wenn du lieber Kunst und Kultur erkundest, dann suche nach Pilgerwegen. Die Jakobswege sind nur das größte Netzwerk in Europa. Aber in Skandinavien gibt es auch die Olavswege und in Osteuropa werden ebenfalls immer mehr Pilgerwege zu lokaleren Heiligen angelegt. Und Italien ist mit dem Franziskusweg und der Via Francigena nach Rom auch gut versorgt.
  • Oder du möchtest ein Großprojekt und einen der besonders langen Fernwanderwege in Europa erkunden? Dann solltest du meinen Artikel für die Planung von Fernwanderungen lesen und wenn du noch keine Erfahrungen mit mehrtägigen Wanderungen hast, vielleicht auch erst mal nur einen kleinen Abschnitt deines Lieblingsweges in Angriff nehmen

Beachte dabei auch, daß es Regionen gibt, die nur einige Monate im Jahr bewanderbar sind: nördlich vom Polarkreis und alle Hochgebirge sind nur im Juli/August einigermaßen sicher zugänglich. Und andere Regionen sind einige Monate im Jahr eher nicht bewanderbar: überall, wo im Winter Schnee und Eis liegen, aber auch die Südküsten Europas, die im Hochsommer einfach zu heiß zum wandern sind.

Meine Länderübersichten können dir helfen, Informationen zu bestimmten Ländern zu bekommen. Wenn du ein bestimmtes Gebiet im Auge hast, kannst du die Webseite von waymarkedtrails.com nutzen, um zu schauen, welche Fernwanderwege durch diese Gegend verlaufen.

Wähle deinen gewünschten Wanderweg aus

Hast du erst einmal deine gewünschte Wanderregion gefunden, kannst du dich auf die Suche nach den dort vorhandenen Wanderwegen machen (wie gesagt, meine Lieblingsquelle für diesen Ansatz ist waymarkedtrails). Dabei solltest du einige Punkte überprüfen:

  • Passt der Weg zu deinen Fähigkeiten? Oder gibt es Passagen, die für dich nicht geeignet sind? Wenn ja, kannst du diese Passagen umgehen oder brauchst du einen anderen Weg?
  • Ist der Weg zu der Zeit, in der du wandern möchtest, in einem guten Zustand? In manchen Gegenden werden über den Winter Brücken abgebaut und müssen erst wieder aufgebaut werden. Oder es ist noch erstaunlich spät mit Schneefeldern zu rechnen. Oder es gibt im Sommer Waldbrandgefahr und der Zugang zu Wäldern wird gesperrt, so daß du nicht wandern kannst (z.B. oft in Südfrankreich). In manchen Gegenden wird abseits der Hauptsaison auch die Versorgung mit Unterkünften und Fressständen problematisch, weil alles geschlossen hat.
  • Wo sind Punkte, wo du mit öffentlichen Verkehrsmitteln in den Weg einsteigen kannst und wie kommst du vom geplanten Endpunkt wieder weg?

Viele dieser Fragen und auch der Fragen in den folgenden Abschnitten können dir gute Wanderführer beantworten. Es gibt sie für viele Gegenden und Wege Europas, wobei die deutschen Platzhirsche die Wanderführer von Rother* (die typischen roten Bücher), des Conrad Stein Verlags (die typischen gelben Outdoor-Bücher*) und Kompass* (die etwas seltener gesehenen grünen Bücher) sind. 

Auch in Großbritannien gibt es eine lebhafte Wanderführer-Szene und erstaunlich viel Auswahl an englischsprachigen Wanderbüchern für Wege in halb Europa (insbesondere die Cicerone Guides*). 

Leider ist die Abdeckung der Wege mit Wanderführern sehr ungleich verteilt. Während die Bücher für manche, besonders beliebte Wege beinahe im Jahrestakt von jedem der Verlage eine neue Auflage erhalten (z.B. der Camino Francés in Spanien), kannst du manchmal froh sein, wenn du überhaupt ein Buch zu einem Weg findest und es noch nicht vor über 10 Jahren herausgekommen ist. Aber selbst alte Bücher sind manchmal besser als gar keine Informationen.

Inzwischen hilft auch das Internet. Manche Wege haben ihre eigene Seite mit fast tagesaktuellen Informationen, andere haben zumindest eine halbwegs gepflegte Seite in Landessprache und Englisch mit den notwendigsten Informationen, und manchmal braucht es Deepl oder Google Translate nur um die wichtigsten Punkte herauszufinden. Sofern dein Weg eine eigene Seite hat. 

Sofern ich Wege in meinem Blog erwähne, versuche ich meist eine akzeptable Seite mit Informationen für den Weg zu finden und ergänze den Link. Aber es ist immer Bewegung im Netz und so wirfst du am Besten die Suchmaschine deines Vertrauens an und schaust, was du findest, wenn aktuelle Wanderführer und direkte Links zu Webseiten nicht zu finden waren.

erste Recherchen und Route endgültig festlegen

Sobald du deinen Weg gefunden hast, wird es Zeit die Route endgültig zu planen. Erstelle dir dabei am Besten eine Tabelle mit den möglichen Tagesetappen und Zielorten, um gut die Übersicht zu behalten. Dabei solltest du auch folgende Punkte beachten:

  • Wenn du deine Fähigkeiten in diesem speziellen Terrain noch nicht kennst und einschätzen kannst, kannst du für eine grobe Planung der Streckenlänge diese Eckwerte nehmen: Als gute Richtwerte gelten für trainierte Wanderer etwa 4 km/h in der Ebene oder 300 Höhenmeter/Stunde bergauf oder 400 Höhenmeter/Stunde bergab. Sobald du genug eigene Erfahrungen hast, kannst du die Werte natürlich anpassen.
  • Wenn du in den Bergen im Sommer unterwegs bist, solltest du deine Etappe so planen, daß du auf jeden Fall vor einsetzenden Sommergewittern in einer Hütte oder im Tal ankommst. 
  • Gibt es Passagen am Weg, die sich nach Regen in eine Schlammschlacht verwandeln? Das findest du besonders häufig entlang von Bächen und Flüssen, aber auch allgemein sumpfigen Gebieten. Wenn ja, was sind deine Alternativen?
  • Gibt es Passagen am Weg, die nach Regen gefährlich werden (rutschige Felsen, Weg unter Wasser, oder es sind dann zu hohe Bäche zu furten)? Wenn ja, was sind dann die Alternativen?
  • Passt deine geplante Etappenlänge zur Tageslicht-Situation zu deiner geplanten Wanderzeit? Im hohen Norden wird es im Hochsommer praktisch nicht dunkel und im Winterhalbjahr kaum hell. Im Süden sind im Sommer die Tage überraschend deutlich kürzer, als man es aus dem nördlichen Europa gewöhnt ist. Dafür sind die Tage im Winter länger.
  • Wie ist die Wasserversorgung am Weg? Bist du stets in der Nähe von Leitungswassernetzen? Wenn du von Herberge zu Herberge wanderst und Mittags in einem Café oder einer Wirtschaft am Weg isst, bist du da gut abgesichert. Aber auch auf einer Stadtquerung findest du meist gut einen Zugang zu Leitungswasser. Oder musst du auf Bachwasser zurückgreifen? Ist das überhaupt ratsam in der Gegend, in der du wanderst (Stichwort Altlasten Bergbau, Landwirtschaft, Industrie)? Brauchst du Filter? Und wie groß sind die Abstände, ehe du nachfüllen kannst? Wenn du auf Brunnen und Quellen angewiesen bist: gibt es jahreszeitlich austrocknende Quellen/Brunnen in der Gegend?
  • Wie ist die Essensversorgung am Weg? Kannst du irgendwo Proviant nachkaufen und wann, wie und wo gibt es Frühstück, Mittagessen und Abendbrot? Wann sie die Schließtage der Restaurants und bist du in der Hauptsaison (wenn alle offen haben) oder der Nebensaison (wenn viele schließen) unterwegs? Oder gar in den wenigen Wochen, wenn wirklich niemand da ist?
  • Wie ist es mit Spezialitäten in der Gegend, in die du fährst? Gibt es etwas, was du unbedingt mal gekostet haben solltest (Getränke, Snacks, Mahlzeiten)?
  • Wie ist die Stromversorgung am Weg. Wie viel Strom brauchen deine Geräte? Wo kannst du wahrscheinlich nachladen? Brauchst du einen Reiseadapter? Und wie viele Powerbanks brauchst du, um die Zeit bis zur nächsten funktionierenden und freien Steckdose überbrücken zu können? Denk daran, daß du nicht in jeder Herberge funktionierende Steckdosen finden wirst. Bei größeren Herbergen können sie belegt oder kaputt sein. Bei Einzelzimmern ist es manchmal kaum möglich ranzukommen (oder sie ist kaputt). Das ist selten, aber nicht ausgeschlossen. Und auf den Bergen und in Wildnisgebieten gibt es oft auch Hütten ganz ohne Strom.
  • Wie ist die Situation mit Unterkünften am Weg? Wenn du eine Tour mit Übernachtungen in Unterkünften planst: Gibt es genügend Unterkünfte in den für dich geeigneten Abständen? Und wie ist deren Reputation? Ist es am Weg üblich die Unterkünfte zu reservieren oder werden die Plätze nach Ankunft vergeben?
  • Wenn du zelten möchtest: wo sind die Campingplätze? Gibt es Trekking-Plätze, “Camping beim Bauern” oder ähnliche lokale Varianten? Wie sind die Regeln für das wildzelten und wo sind die Nationalparkgrenzen (da fast nirgendwo in Nationalparks wild gezeltet werden darf)?
  • Wo sind Zu- und Ausstiegspunkte des Weges, um das ÖPNV-Netz zu erreichen? Wenn du es auch nur halbwegs wahrscheinlich brauchst: wann fahren die Busse/Bahnen oder wie lautet eine sichere Taxi-Rufnummer (und was kostet es)? Sind Busse eventuell auch nur Ruf-Busse? Wenn ja, wie meldet man sich wo an und mit welchem Vorlauf?
  • Wenn du länger als eine Woche unterwegs bist, hat es sich bewährt, einen Pausentag einzuplanen. Einen Tag lang die Füße hochzulegen kann dir sehr dabei helfen, ein paar kleine Wehwehchen auszukurieren und so besser über die nächste Wanderwoche zu kommen. 
  • Auch ein halber Wandertag pro Wanderwoche ist oft eine gute Idee um problemlos Zeitverluste aufgrund unvorhergesehener Dinge wie schlechte Wegverhältnisse, zu reparierende Ausrüstung oder schlechte Tagesverfassung wieder ausgleichen zu können. Und wenn du an den Tagen fit bist und Hummeln in den Füßen hast, dann kannst du dir einfach einen kleinen Ausflug in die Umgebung gönnen. Durch eine Stadt bummeln, einen See/Wasserfall/Aussichtspunkt besuchen, oder was auch immer in der Nähe ist und nicht direkt am Weg lag.
  • Wenn du durch Orte kommst, versuche herauszufinden, welche historischen und andere Sehenswürdigkeiten am Weg liegen, welche dich interessieren könnten. Erkundige dich nach den Öffnungszeiten und plane Zeit (und Kraft) für die Besuche ein. Eventuell kommst du auch an berühmten Bädern oder anderen Sachen vorbei, die einen Abstecher wert sind.
  • Wenn du die Möglichkeit findest, dann versuche auch nach lokalen Festen zu recherchieren oder Großevents. Es ist gut zu wissen, wenn du durch einen Ort kommst, wo gerade das jährliche Großereignis steigt und deshalb in 5km Umkreis wirklich alles bis auf das letzte Bett ausgebucht ist. Vielleicht willst du auch teilnehmen und baust dafür einen kürzeren Wandertag ein. Oder du steigst aus dem Zug, um in die Einsamkeit der Wildnis zu starten, nur um festzustellen, daß du am Endpunkt des diesjährigen Fjällraven Classic bist, und dir in den nächsten Tagen um die 2000 Personen entgegenkommen werden… 

Wenn du nur 2-3 Tage wanderst, kannst du die Beantwortung der Fragen nach Proviant und Strom meist eher entspannt angehen. Da kann man auch mal völlig autark unterwegs sein und alles vom Start weg im Rucksack mitnehmen. Wasser wird schon deutlich schwerer und die eigene Sicherheit solltest du nie vernachlässigen. 

Sobald du die Fragen beantwortet hast, hast du schon eine gute Idee, wo dich dein Weg langführen wird. Denn es kann durchaus sein, daß du feststellst, daß du nach drei Tagen einen Abstecher in den nächsten Ort machen musst, um Proviant und Strom aufzustocken, anstatt draußen in der Wildnis zu bleiben. Oder du musst diese Hütte ansteuern anstatt jener.

Reise und Unterkünfte organisieren

Sobald dein Weg zu dir passt, kannst du deine Anreise, deine Unterkünfte und deine Abreise planen. 

Fange am besten mit der Anreise an, denn dann weiß du, ob du in der Stadt, wo du ankommst, noch übernachten musst, oder vielleicht gleich lustig ein paar Kilometer auf deinem Weg loswanderst und erst im nächsten Ort schläfst. Sei aber lieber nicht zu ambitioniert, damit du keine Nachtwanderung machen musst, nur weil dein Zug mal wieder Verspätung hatte.

Überlege bei der Planung der Anreise auch, ob du Gepäckbeschränkungen hast. Wenn du fliegen musst, aber Teile deiner Ausrüstung nicht im Flugzeug mitnehmen kannst, musst du umplanen. Entweder kannst du bestimmte Dinge dann am Startort kaufen (z.B. Spiritus oder Gaskartuschen) oder du musst prüfen, ob du mit Bus und Bahn anreisen kannst und die Anreise gleich als nicht-gewanderten Teil des Urlaubs planst.

Sobald du deine erste Nacht festgelegt hast, planst du von dort aus den restlichen Weg. Beachte dabei vor allem auch das Höhenprofil und den Schwierigkeitsgrad des Weges während deiner Planung. Auf einer Forstautobahn (breite, jeeptaugliche Waldpisten) bist du wesentlich schneller unterwegs, als auf einem ausgewaschenen Wanderpfad, wo du über Wurzeln und Steine kletterst. 

Denke im Herbst und Winter unbedingt auch an die kürzeren Tage, so daß du möglichst immer bei Tageslicht mit noch ein wenig Luft an deiner Herberge ankommst. Zusätzlich bist du bei Schnee und Eis bedeutend langsamer, als im Sommer.

Reserviere auf jeden Fall deine Unterkünfte/Zeltplätze für die ersten 2-3 Tage. In der Nebensaison kann man es dann manchmal sogar sein lassen und immer nur 1-2 Tage vor Ankunft reservieren. Es gibt genug freie Plätze (aber dafür oft auch geschlossene Unterkünfte). In der Hauptsaison solltest du gerade in Haupt-Touristen-Gebieten besser alle Unterkünfte reservieren. 

Es gibt auch Wege und Gebiete, wo die Schlafplätze grundsätzlich nach Ankunft der Wanderer vergeben werden. Wenn du auf diesen Strecken unterwegs bist, braucht jedes deiner Etappenziele ein bis zwei Ausweichmöglichkeiten einschließlich GPS-Tracks und Weglänge bis dorthin. Und wie du von dort sicher wieder auf deinen Weg gelangst.

Mache dir bitte eine Liste mit allen reservierten Unterkünften und den Kontakten. Denke daran, deine Reservierungen mitzunehmen und so früh wie möglich abzusagen, wenn du merkst, daß du deine Wanderpläne ändern musst. Nichts ist frustrierender für alle Seiten, wenn eine Herberge müde Wanderer abweisen muss, aber der Reservierer einfach wortlos nicht erscheint (oder erst am Abend anruft, wenn die Bettensuche für alle schon gelaufen ist).

Schreibe in deine Liste auch die Notrufnummern für deine Wandergegend für alle Fälle. Diese Nummern solltest du dann greifbarer in deinem Telefon einspeichern, ehe es losgeht, aber es ist auch gut, sie als Reserve in der Liste zu haben.

Sobald dein Etappenplan steht und deine Unterkünfte reserviert sind, weiß du auch, wo du rauskommst und kannst nun auch die Rückreise planen.

Ausrüstung überprüfen und testen

Nachdem die Reise geplant ist, wird es Zeit, dir in Ruhe Gedanken über die notwendige Ausrüstung zu machen. Je nach Weg und deinem Trainingszustand können Sachen zu Hause bleiben oder können durch leichtere Varianten ersetzt werden und dafür müssen vielleicht andere Dinge sogar mit, die du normalerweise nicht dabei hast.

Beispiele?

  • wenn du am westlichen Ende der Landmassen im nördlichen Europa unterwegs bist (z.B. Bretagne, Westirland, Westschottland, Norwegen und Westschweden), tust du gut daran, eine leistungsfähige und ganztägig bequeme Regenkleidung einzupacken. Und auch deinen Rucksackinhalt noch mal besonders vor Nässe zu schützen. Bist du statt dessen absehbar in einer Region mit üblicherweise stabilem Wetter (Sommer in Südostschweden, Ungarn oder nahe dem Mittelmeer) und sehr ausdauerndem Sommerhoch unterwegs, kann es sein, daß dir ein Festival-Poncho für den Notfall völlig ausreicht. Die letzte Entscheidung darüber kannst du natürlich erst mit einer guten Wettervorhersage kurz vor der Abfahrt treffen, aber es macht dein Gepäck um einiges leichter.
  • Bist du in flachen Gebieten wie den Niederlanden oder Dänemark unterwegs, brauchst du wahrscheinlich keine Trekkingstöcke. Auch auf einfachen Strecken in den meisten Mittelgebirgen brauchst du sie nicht wirklich, wenn du gut trainierte Fußgelenke hast. Aber in Hochgebirgen und vielen Wildnisgebieten sind Trekkingstöcke notwendig, um über knifflige Stellen entlang der Wege zu helfen, oder die Knie bei langen Abstiegen zu entlasten. Wenn es in Gebiete mit besonders steilen Hängen geht, kann sogar ein Bergstock die bessere Wahl sein.
  • Wer gut trainiert ist und auch im Alltag immer wieder auf unebenen Wegen unterwegs ist (über Stock und Stein läuft), braucht bei leichtem Rucksack auf den meisten Wanderwegen nur Trailrunner-Schuhe mit guter Sohle. Wer hingegen seine Fußgelenke zuletzt nicht auf seitliche Belastungen trainieren konnte, ist oft mit den schwereren knöchelhohen Wanderschuhen besser beraten.
  • In vielen kühlen und nassen Gebieten kann ein Schuh mit Membran sinnvoll sein. Der gleiche Schuh würde aber in den meisten warmen Gegenden den Fuß des Wanderers langsam gar kochen. Dann sind Schuhe ohne Membran oft die bessere Wahl und bei warmem Wetter trocknen die Füße und Schuhe oft schnell genug beim laufen, wenn sie tatsächlich mal nass geworden sind. 

Da ich zum Thema Ausrüstung für eine Mehrtageswanderung einen eigenen Artikel habe, gehe ich hier nur in Stichpunkten darauf ein. Die üblichen, zu prüfenden Themen deiner Ausrüstung sind:

  • Regenschutz
  • Sonnenschutz
  • Mückenschutz
  • zusätzliche Wärme? Fleecejacken oder lange Unterwäsche?
  • welche Ersatzkleidung muss mit und was kann wie mit Doppelfunktion belegt werden? 
  • Hygieneartikel, evtl. auch Reiseseife oder einen Reise-Waschsack einpacken
  • Schuhe & Sandalen?
  • Rucksack & wie du seinen Inhalt vor Wasser schützt (es gibt verschiedene Strategien, aber eine brauchst du)
  • Wasserversorgung: brauchst du Filter, zusätzliche Wasserblasen etc?
  • Proviant/Mahlzeiten: wo kannst du Essen und brauchst du Einkaufsmöglichkeiten?
  • willst du selbst kochen?: dann Kochzeug und Geschirr
  • welche technischen Geräte sollen mit und
  • Stromversorgung: wie viel brauchst du? Welche Reserven müssen mit und brauchst du Reiseadapter? Welche Ladekabel brauchst du und wie schützt du dein technisches Gerät vor Regen?
  • Informiere dich auch möglichst über die Netzabdeckung in deinem Wandergebiet und wie wahrscheinlich du überhaupt Netz hast oder du immer wieder off-grid sein wirst (wobei dir das auch problemlos unter dem dichten Blätterdach eines Sommer-Laubwaldes passieren kann). Erkundige dich, wie du dein Telefon davon abhältst, auf der vergeblichen Suche nach Signal den Akku leer zu saugen.
  • was wird für Übernachtungen benötigt: in Hütten meist Hüttenschlafsack und Hausschuhe, wer zeltet, dann das komplette Camping-Equipment 
  • wird Sicherheits-Ausrüstung benötigt? z.B. Reflektierende Bänder/Weste in Tschechien bei Dunkelheit auf Landstraßen, oder ein Helm, eine Kopflampe, etc.
  • Blasenversorgung und Medikamente, wenn du welche brauchst
  • Erste-Hilfe-Set, Kompass & Pfeife: das Trio, das auf jedem Weg dabei sein sollte

Vergiss nicht, spätestens eine Woche vor deiner Abreise schon mal alles zur Probe zu packen und möglichst eine kleine Runde zu laufen, um zu testen, ob alles geht und der Rucksack nicht zu schwer ist. Falls etwas fehlt, sollte es spätestens jetzt auffallen und du kannst noch eine Notbestellung machen.

Trainingsrunde & letzter Wettercheck vor dem Aufbruch

Reise ist geplant und reserviert? Ausrüstung ist beisammen? Dann bleibt dir nur noch ein paar Trainingsrunden zu drehen und das Wetter in deinem Zielgebiet im Auge zu behalten. Vergiss nie, daß das Wetter immer sein eigenes Ding macht und noch nie eine Klimatabelle gelesen hat. Von daher ist es gut, wenn du vorher weiß, ob dich auf deiner Wanderung eine Hitzewelle historischen Ausmaßes erwartet, oder gerade alles unter dem Regen des Jahrhunderts abgesoffen ist. Noch schlimmer wäre es natürlich, wenn du in diesen Regen hineingerätst, weil du vergessen hast, die Vorhersage zu prüfen. 

Im Frühjahr und Sommer ist es oft auch eine gute Idee, die Waldbrandwarnstufen zu prüfen, sofern du dich in Wäldern oder allgemein in der Wildnis aufhältst.

Achte zuletzt darauf, daß jemand, der nicht mit dir mitgeht, deinen Reiseplan hat und weiß, wann die Rettungskräfte alarmiert werden müssen. Sprich ab, wann und wie du dich meldest und welche Zeitpuffer es gibt, weil du in Gegenden bist, wo es Funklöcher gibt. Denk daran, dich entsprechend zu melden, auch wenn du k.o. bist.

Wandern über mehrere Tage kann eine tolle Erfahrung sein. Zu sehen, wie sich eine Landschaft verändert und festzustellen, wie weit einen die Füße tragen können, kann ein unvergessliches Erlebnis sein. Und wenn dir dann die ein- bis dreiwöchigen Wanderungen nicht mehr reichen, dann kannst du dich an die richtig weiten Strecken wagen. Aber das ist ein Thema für einen späteren Beitrag. 

Viel Spaß beim schmökern und natürlich:

Viel Spaß beim Wandern!

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